Alestorm
– Captain Morgan’s Revenge (6,5 von 10)
Bisher gab es nur eine Band, die Piratenmetal zu einem gewissen Bekanntheitsgrad bringen konnte, nämlich Running Wild. Jetzt liegt das Debüt einer schottischen Band vor, die versucht, das Vakuum, das Rock’n’Rolf hinterlassen hat, da schon lange kein neues Album mehr erschienen ist zu füllen. Mit einer Fülle von Trink- und Mitgrölliedern und den entsprechenden Piratengeschichten rocken und trashen sich Alestorm durch 10 Songs. Christopher Bowes tiefer Gesang verstärkt das raue Piratenimage auf hoher See. Das dabei einige Refrains wie „I want more wenches“ oder „Hail! Ride! Fight! Die!” eher recht platt daherkommen, wird nur diejenigen stören, die sozialkritische oder geschichtlich fundierte Texte im Heavy Metal Umfeld gewohnt sind. Ein paar riffbetonte Songs gehen aufgrund der massiven Aggressivität und durch massive Bassdrums getriebene Geschwindigkeit, sogar in trashige Gefilde. Teilweise werden aber auch folkartige Passagen mit Tin Whistle eingestreut, so dass man als Referenzband Falconer nennen kann. Mit „The Flower Of Scotland“ haben die vier Musiker die inoffizielle schottische Nationalhymne von Roy Williamson vertont.
Avantasia
– The Scarecrow (8,5 von 10)
Bereits zweimal hatte Edguy-Sänger Tobias Sammet Alben unter dem Projektnamen Avantasia herausgebracht. Mit „The Scarecrow“ folgt der dritte Schlag. Wieder handelt es sich um eine Geschichte, die mit verschiedenen Sängern vertont wurde. Während Produzent Sascha Paeth die Gitarrenparts spielt, Tobias selbst in die vier Saiten greift und am Schlagzeug Kiss-Drummer Eric Singer die Felle gerbt, tragen so illustere Sänger wie Alice Cooper, Roy Khan, Bob Catley, Jorn Lande, Oliver Hartmann, Michael Kiske und Amanda Somerville die Lyrics vor. Wenn auch die meisten Stücke Ähnlichkeiten mit den Edguy-Kompositionen besitzen, so bekommt z.B. der Opener „Twisted Mind“ durch die Stimme von Khan einen Kamelot Einschlag. Das zentrale und über 11 Minuten lange Titelstück kommt bereits an zweiter Stelle und weist verschiedene Teile mit verschiedenen Stimmungen und Sängern auf. Danach fetzt Michael Kiske in „Shelter From The Rain“ los als würde er immer noch bei Helloween singen. Der Song klingt aber mehr nach Edguy als nach den Kürbisköpfen der alten Tage. Beim Anhören von „The Toy Master“ könnte man vermuten, dass Tobias Sammet den Meister des Horrors beim Komponieren im Kopf hatte. Der Song könnte auch auf einem Album von Alice Cooper stehen. Von den elf Songs sind der Abgeher „Another Angel Down“ und „Lost In Space“ bereits von der Single Veröffentlichung bekannt. Ansonsten bietet das Album mit weit über einer Stunde Musik mehrere Highlights, die beiden Balladen mal ausgenommen ;-)
Brainstorm
- Downburst (8 von 10)
Brainstorm ist vor allem live eine Bank. Das liegt zum einen an den Songs, deren Melodien zum Mitsingen animieren und zum anderen am Leadsänger Andy B. Franck, der 1999 zu dem Dreigestirn stieß, das heute noch den Kern bildet. Lediglich die Position des Bassisten musste zum neuen Album neu besetzt werden, nachdem Andreas Mailänder aus beruflichen Gründen die Band verlassen musste, wird in Zukunft Antonio Ieva die tiefen Saiten bearbeiten. Auch auf dem siebten Album „Downburst“ orientiert sich das Songwriting an midtempo Melodien, die sich für einen kräftigen Chor anbieten. Zu nennen sind da das als Single veröffentlichte „Fire Walk With Me“, „How Do You Feel“ oder „Frozen“. In „Protect Me From Myself“ wird die Geschwindigkeit angezogen. Dafür steht mit „End Of Sorrow“ eine reinrassige Ballade auf dem Album. Nachdem Brainstorm zu Beginn ihrer Karriere mit trashigen Songs begonnen hatten, scheinen sie mit den letzten Alben ihren Stil gefunden zu haben. Diesen perfektionieren sie von Album zu Album. Das führt aber leider auch dazu, dass sich die Songs immer ähnlicher klingen. Sie beginnen mit einer fetzigen Strophe und werden dann im Refrain abgebremst. Nach mehrmaligem Hören bleiben die Melodien im Ohr hängen und die Unterschiede werden erkennbar.
Masterstroke
- Sleep (7 von 10)
Für Europa stellt „Sleep“ das Debutalbum dar. Für Japan ist es bereits Album Nr. 2. Die finnische Band hatte beim ersten Album Pech mit dem Label, so dass nur Japan in den Genuss der Apocalypse kam. Die Vorlieben der Endzwanziger liegen bei Bands wie Metallica, Iron Maiden, Symphony X oder Dream Theater. Nur der Keyboarder fällt mit Vangelis aus diesem Schema. Das Album klingt aber nach keiner dieser Bands, sondern enthält melodische Heavy Metal Musik, die sich an ihren Landsleuten wie Sonata Arctica oder Stratovarius orientiert, wobei superschnelle Songs fehlen. Der Tastenmann lässt schon mal ein paar spacige Keyboards durchklingen. Meist rocken die fünf Musiker aber im Midtempo, verschärfen zwischendurch das Tempo, um dann wieder mächtig zu grooven. Da zeitgleich das neue Brainstorm Album auf den Markt gekommen ist, ist hier die aktuellste Parallele zu ziehen. Alle Liebhaber der deutschen Band sollten es nicht verpennen, mal ein Ohr zu riskieren.
Paradox
- Electrify (6 von 10)
In letzter Zeit scheint sich ein neuer Trend im harten Musikgeschäft abzuzeichnen. Bands, die in den achtziger Jahren mehr oder weniger Erfolg hatten, melden sich mit einer Reuniontour und einem Reunionalbum zurück. Hierzu gehören auch die Trasher Paradox oder eher Gitarrist und Sänger Charly Steinhauer. Denn er war auf den beiden Alben 1987 und 1989 vertreten. Auf dem vierten Album „Electrify“ zeichnet er für alle Songs verantwortlich. Mit den Holzwarth Brüdern hatte Steinhauer 2000 das Paradoxon nochmals wiederbelebt, aber beide blieben lieber ihren Hauptbands Rhapsody (Alex, drums) und Blind Guardian (Oliver, bass) treu. Größtenteils fahren die Songs das volle Trashbrett mit relativ cleanen Vocals. In „Portrait In Grey“ wird im Midtempo gerockt und mit „Monument“ ist ein eingängiger und melodiöser Song auf dem Album. Auch „Cyberspace Romance“ hält was der Titel verspricht, nämlich ruhig und mit angezogener Handbremse. Diese wird aber in den übrigens Songs gelöst, damit die schnellen Gitarrenriffs alles wegfegen, was sich in den Weg stellt. Für Fans der alten Metallica oder Trivium eine deutsche Alternative.