Dezember 2011

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Agincourt  -  Angels Of Mons (8 von 10)

Zwanzig Jahre nach der Gründung erschien erst im März 2011 das Debutalbum „Angels Of Mons“ von Agincourt, einer Heavy Metal Band aus Midlands, England. Anfangs orientierte man sich an der NWOBHM, musste aber im Zuge der GrungeWelle Mitte der Neunziger für elf Jahre die Segel streichen. Hinzu kamen einige Besetzungswechsel in jüngerer Zeit. Dies erklärt, warum das erste Album erst jetzt veröffentlicht wurde. Der Bandname bezieht sich auf eine blutige Schlacht von 1415 zwischen Frankreich und England. Das Cover der CD zeigt eine Kampfszene. Im letzten Song des Albums, einem sehr epischen Song, wird die Schlacht besungen. Ansonsten spielen Agincourt einen gepflegten klassischen Midtempo Heavy Metal, wie ihn in letzter Zeit u.a. High Spirits vorgetragen haben. Wo genau der Reiz in dieser Art des Musizierens liegt, vermag ich nur schwerlich zu sagen. Vielleicht liegt es am Gesang, vielleicht an der natürlichen Produktion, sicherlich aber an den Songs mit interessanten Akkordfolgen und Solos, die nett aber keinesfalls altbacken klingen. Und mit dem Motto „The King is dead, Long live Rock’n’Roll“ bringen es die vier Musik auf ihrem Booklet auf den Punkt.

Black Stone Cherry  -  Between The Devil & The Deep Blue Sea (7 von 10)

Erst nach dem Genuss eines Livekonzerts im Rahmen der Rockpalast Konzerte bin ich auf diese gottesfürchtige Band aus Kentucky gestoßen. Die Melodie von „Blind Man“ aus dem zweiten Album ging mir nach einmaligem Hören nicht mehr aus dem Sinn. Genau solche Ohrwürmer befinden sich auch auf Album Numero drei, das Mitte 2011 erschienen ist. Größter Einfluss der Musiker, die inzwischen schon zehn Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel haben, ist natürlich Lynyrd Skynyrd. Hintergrund der Songs ist die Folklore der Südstaaten. Dazu kommen Einflüsse aus Rhythm And Blues, Country, Bluegrass und hin und wieder sogar Elemente aus Jazz und Reggae. Deshalb lässt sich die Band schwer einem Genre zuordnen. Teilweise sind die Gitarren so aggressiv, dass eine Zuordnung zum Hardrock gerechtfertigt wäre. In einer Mischung aus Black Crows, Led Zeppelin oder Gun’s And Roses kokettieren sie mit den religiösen Einstellungen des Bible Belt. Und live überzeugten weitere Titel wie „White Trash Millionaire“ oder „Blame It On The Boom Boom“ mit zweideutigen Wortspielen. Beide Songs haben Hitpotenzial. Letzt genannter Song würde vielleicht auch gut in das Repertoire von Alice Cooper passen. Trotz dieser vielen musikalischen Facetten folgt das Album einem roten Faden in Classic Rock.

Cage  -  Supremacy Of Steel (6,5 von 10)

Nextes Jahr besteht die Band Cage aus San Diego bereits 20 Jahre. In dieser Zeit wurden sechs Alben eingespielt. Von diesen liegt „Supremacy Of Steel“, gerade veröffentlicht, im CD-Player. Auf dem Cover stehen Cage auf einer großen Bühne vor riesigen Monstern, Kämpfern und dem Tod persönlich. Der Schlagzeuger thront auf einem übergroßen Totenschädel. Im Innern des Booklets sind die Songs mit Comics illustriert. Die Arbeiten sind übrigens von dem Zeichner Marc Sasso (u.a. Dio-Cover). Die Musik geht wie immer in Richtung Powermetal und Thrash, wobei der Heftigkeitsfaktor noch um Einiges zugelegt hat. Neben Blastbeats drücken einen die GitarrenAkkorde an die Wand. Über allem liegt der extrem hohe Gesang von Sean Peck, der seinem Idol Rob Halford nacheifert. Judas Priest ist sicherlich eine der Bands, an denen sich Cage orientieren. Dazu kommen US-Powermetal Bands wie Helstar oder aber auch Anleihen bei King Diamond. „Anneliese Michel“ beginnt zum Beispiel mit Orgelspiel und erinnert auch im heftigen Teil durch die hohe Stimme und die Spielweise an Mercyful Fate/King Diamond. Für diejenigen, die die Birne nicht genug schütteln können, bieten Abgeher wie „Doctor Doom“ oder das episch angehauchte „Hell Destroyer Vs. Metal Devil“ genau den richtigen Stoff. Auf der Bandhomepage kann man sich zu letzterem Song das Video anschauen.

From The Depth  -  Back To Life (7 von 10)

Aus Italien kommen From The Depth mit ihrem zweiten Album „Back To Life“. Die junge Band aus Parma spielt melodischen symphonischen Powermetal mit großen Speedanteilen. Als Referenz kommt einem sofort Skylark in den Sinn. Besonders, wenn man genau auf die Keyboards Sounds achtet. Glücklicherweise nutzt Keyboarder Davide Castro diese nur dezent. Dennoch füllen viele Keyboardparts die schnellen Gitarrenriffs und verstärken dadurch den Gesamteindruck. Ebenso passt die angenehme Stimme von Raffaele Albanese soundmäßig besser zu den melodiösen Songs, als bei der zum Vergleich erwähnten Band. Mit „The Cruel Kindness“ haben die fünf Musiker eine Quotenballade eingebaut. Danach fliegen aber wieder die Stöcke und die Doublebass malträtiert die Felle zum eingängigsten Headbanger „You Just Have To Fly“. Daumen hoch für Highspeed Melodic Metal.

Holy Force  -  Holy Force (7,5 von 10)

Der mir völlig unbekannte Gitarrist Ango Chen aus Taiwan hat sich mit Sänger Mark Boals (Iron Mask, Ex-Yngwie Malmsteen und Ex-Royal Hunt), Mike LePond, Bassist in Diensten von Symphony X und Schlagzeuger Rhino (Ex-Manowar, Ex-Holy Hell) renommierte Musiker ins Boot geholt, um seine Songs auf dem Debütalbum umzusetzen. Das Album hat er selbst produziert und die Keyboardparts wurden ebenso von ihm eingespielt. Die Musik geht in Richtung der oben genannten Bands, wobei melodischer Speedmetal im Fokus steht. Gleich der Titel- und Bandsong „Holy Force“ fegt als melodischer Speedmetal durch die Boxen. Und auch „A Country Good Or Bad“ schlägt in die gleiche Kerbe. Neben den schnellen Riffs sind es die ultraschnellen Keyboardläufe und die gefühlvollen GitarrenSolos, die die Stücke aufpeppen. Andere Refrenzbands sind die üblichen Verdächtigen wie Stratovarius, als Timo Tolkki noch dudelte, Sonata Arctica und alles was sonst so in Skandinavien schneller spielt als die Polizei erlaubt. In mehreren Liedern wird im Gesang mit dem beliebten „Frage/Antwort“-Spiel gearbeitet, was den Songs eine weitere Facette zur Vielseitigkeit beisteuert. Gute Songs also für ein gelungenes Debüt.

Iron Mask  -  Black As Death (8 von 10)

Gitarrist Dushan Petrossi, dessen musikalische Vorbilder Yngwie Malmsteen und die älteren Symphony X aus dem Metal- und Bach und Händel aus dem Klassikbereich sind, lebt seine musikalischen Vorlieben in den Bands Magic Kingdom und Iron Mask aus. Der Belgier konnte sich mit Sänger Mark Boals einen ehemaligen Malmsteen-Mitstreiter ins Boot holen, der vor kurzem bei Royal Hunt die Segel gestrichen hatte. Er bezeichnet seine musikalischen Ergüsse selbst als neoclassischen Metal und will damit die Fans von Rainbow, Dio, Firewind oder natürlich Yngwie Malmsteen erreichen. Dazu hat er für das vierte Album „Black As Death“ 12 Stücke und ein Intro komponiert. Besonders das groovende „Genghis Khan“ erinnert an die genialen Stücke von Dio. Der Abgeher „Feel The Fire“ würde dagegen auch zu einem der ersten Symphony X Alben passen. Zwischendurch generiert der Schlagzeuger Blastbeats nur um danach in ganz normalem Uptempo im Song fortzufahren. Diese Gegensätze steigern die musikalische Vielfalt und Abwechslung, ohne den roten Faden zu verlassen. Mit „Rebel Kid“ setzt der umtriebige Gitarrist noch JingJang ein musikalisches Denkmal. Im Gegensatz zum Meister des Shredderns verlegt sich Dushan Petrossi auf songdienliche Solos und nicht auf elendlanges Gedudel. 

Morifade  -  Empire Of Souls (7,5 von 10)

Den Informationen aus dem Internet zufolge sind Morifade eine semiprofessionelle Band, die schon fast zwanzig Jahre mit wechselnder Besetzung Heavy Metal Musik mit progressiven Elementen spielt. Darauf lassen die unregelmäßigen Auftritte und die Dauer von sieben Jahren vom dritten zum vierten Album schließen. Dabei bietet das neue Album „Empire Of Souls“ überdurchschnittliche Stücke, mit mehrstimmigen Chören und groovenden Parts wie in „Come In Blood“, das an Tad Morose oder eine nicht ganz so aggressive Art von Morgana Lefay erinnert. In „Road To Deception“ zeigen die Schweden, dass sie ebenso gut gradlinig in höchstem Tempo spielen können. Zum Gesangspart wird die Geschwindigkeit zurückgenommen, zu den Instrumentalteilen mit Keyboardsolos und im Refrain wird der Zuhörer wieder mit Vollgas bedient. Noch besser geht Highspeed in „Impact Of Vanity“ ab, wo das Level durchweg gleich schnell bleibt. Wenn man bedenkt, dass die Band sicherlich nicht in einem großen Produktionsbudget schwimmt, kann man dennoch ein gelungenes Werk attestieren. 

Nightwish  -  Imaginaerum (7 von 10)

Nach einem kurzen Intro in finnischer Sprache folgen mit „Storytime“ und „Ghost River“ zwei typische Nightwish Nummern, die hitparadentauglich rüberkommen. Danach setzen Nightwish auf ruhige jazzig angehauchte 1930er Jahre Filmmusik, bevor mit „I Want My Tears Back“ wieder ein typischer Nightwish Song aus den Boxen dröhnt. Hier wird wieder der Gegensatz von harten männlichen zu zarten weiblichen Vocals in den Vordergrund gerückt. Danach geht es in die opulente Welt der Zirkus- und Variete-Musik mit MusicalCharacter. Dies führt zum Einsatz verschiedenster Instrumente und Stimmungen, die mal straight forward dann aber sehr ruhig und gediegen daherkommen. Covergestaltung und die Verkleidung der Musiker lässt darauf schließen, dass die Band mit dem siebten Album „Imaginaerum“ in die Zirkuswelt abtauchen wollte. Dies führt dazu, dass das Album nicht wie aus einem Guss erscheint, sondern zwischendurch Längen aufweist. Besonders deutlich wird dies in dem 12 Minutensong „Song Of Myself“, der über die Hälfte der Zeit ein guter rockiger Song ist, dann durch Sprechgesang und Phasen der Minimalausgestaltung langweilig wird. Im abschließenden Titelsong „Imaginaerum“ werden alle Melodien nochmals zusammengefasst, was sicherlich eine gute Idee ist, aber insgesamt doch überflüssig, weil es keinen durchgehenden Song repräsentiert. Als Fazit bleibt das Album zwiespältig. Zum einen sind einige gute Nightwishfetzer auf dem Album, zum anderen gibt es jede Menge Durchhänger, die den positiven Eindruck schmälern. Nichts gegen die eine oder andere Ballade, aber hier wurden zu viele ruhige Momente eingebaut. Und darin geht ein symphonisches Heavy Metal UptempoHighlight wie „Last Ride Of The Day“ fast unter.

Royal Hunt  -  Show Me How To Live (7 von 10)

Mit DC Cooper ist für Mark Boals der Sänger zurückgekehrt, mit dem die Band Mitte der neunziger Jahre die größten Erfolge feierte. Die Heimat von Royal Hunt ist Kopenhagen. Hier hat Keyboarder und Gründer Andre Anderson Musiker aus Schweden, USA und Russland um sich geschart, um melodischen Heavy Metal zu spielen, wie ihn auch ihre Landsleute von Pretty Maids zum Besten geben. Meist in leichtem Uptempo oder auch etwas schneller, aber immer mit vielen Melodien und Chören sind die Kompositionen vor allem auf den Ideen des Mannes an den schwarzen und weißen Tasten aufgebaut und wurde auch von ihm produziert. Diese Kompositionen verarbeiten Einflüsse aus der Klassik und Hardrock, die besonders in Japan zu einem hohen Bekanntheitsgrad und großer Anerkennung geführt haben. Kernstück des Albums ist das fast zehn Minuten lange Titelstück, das sehr symphonisch mit mehreren ruhigen Passagen aufgebaut ist. Zum Abschluss des recht kurzen Albums gibt es noch den Fetzer „Angel’s Gone“ mit eingängigen Melodien und ohrwurmartigen Refrain.

Rush  -  Time Machine (8 von 10)

Im wahrsten Sinne des Wortes haben sich die Kanadier in eine Zeitmaschine gesetzt und im April in Cleveland fast vierzig Jahre ihrer Karriere Revue passieren lassen. Den Auftritt von über zweieinhalb Stunden gibt es jetzt auf DVD oder CD. Grundlage des Reviews ist das DoppelAlbum „Time Machine 2011“. Seit 1974 spielt das Trio immer im selben LineUp. In der Mitte thront Neil Peart hinter einem Arsenal von Trommeln und Becken. Geddy Lee, Sänger, Bassist und Keyboarder beansprucht einen großen Teil der rechten Seite und links steht Alex Lifeson nur mit seiner Gitarre vor einer mächtigen Verstärkerwand. Insgesamt werden 27 Songs aus 20 Alben gespielt. Dabei sind mit „BU2B“ und „Caravan“ zwei neue Stücke vom geplanten zwanzigsten Album, das wohl 2012 mit dem Titel „Clockwork Angels“ auf den Markt kommen wird. Der Sound entspricht Studioniveau. Wie viel hier nachträglich nachgebessert wurde, ist das Geheimnis der Band und des Produzenten, auch wenn im Booklet steht, dass nur einige wenige Stellen verbessert werden mussten. Die Mischung aus Hardrock Songs mit progressiven Anteilen und härteren Gitarrenakkorden wird in der gesamten Bandbreite dargestellt. Für diejenigen, die die Band zwar kennen, aber keine Alben besitzen, einer hervorragender Querschnitt im Stile eines Greatest Hits Album.

Theocracy  -  As The World Bleeds (8 von 10)

Die Amerikaner verbinden auf ihrem dritten Album ohrwurmartige PowermetalMelodien mit progressiven Versatzstücken, die von Bands wie Dream Theater, Kansas oder Rush stammen könnten. In „Drawn“ klingt der Refrain schon fast zu geschliffen und zuckersüß. Während Bandgründer Matt Smith auf dem ersten Album noch alle Instrumente selbst eingespielt hat, ist Theocracy inzwischen eine richtige Band mit fünf Musikern. Dennoch stammen die meisten Songideen von Matt Smith. Das Album startet mit dem elf MinutenStück „I Am“, das gleich alle Ecken und Kanten der Band offenbart. Hier gibt es doublebassgetriebenes Powerdrumming, fette Gitarrenakkorde und schnelle Gitarrensoli, immer wieder mit Breaks durchsetzt. Dazu werden in einem Teil folkorientierte Anleihen wie bei Skyclad eingebaut. Ein weiterer Höhepunkt des Albums ist das ultraschnelle gradlinige und melodiöse „Light Of The World“. Insgesamt zeigt die Band aus Georgia ein hohes Maß an spieltechnischer und kompositorischer Kompetenz.